Vorteile Dekompression - Tauchcomputer

 

 

Beim "offenen Tauchen" hat der Taucher ein bestimmtes Gas in der Flasche. 
Der Inertgas-Anteil (Stickstoff und Helium) des Gases in der Flasche bestimmt die Länge der Nullzeit, sowie die Länge und die Tiefen der Dekompressions-Stopps.

Je höher der Sauerstoffanteil im Gas, desto geringer ist der Inertgas-Gehalt. Daraus folgt eine längere Nullzeit und kürze Dekompression. Je höher der Sauerstoffanteil im Gas, desto flacher allerdings ist die maximale Tiefe. Dies lernt man im Nitrox-Kurs.

Dies ist auch beim SCR (halbgeschlossenen Kreislaufgerät) so:
Eigentlich ist die Dekompression eines SCR schlechter als beim offenen Taucher, wenn ich vom "Best Mix" ausgehe. Der SCR-Taucher atmet das Gas ja öfters ein und mit jedem Atemzug  wird der tatsächliche Sauerstoffgehalt im Atem-Kreis niederer. Das Gas wird zwar verdünnt, aber dennoch ist der Sauerstoffgehalt im Atem-Kreis immer niederer der des Gases in seiner Flasche.

Bei einem CCR wird das Gas aktiv im Atem-Kreis gemischt, wir stellen einen bestimmter Partialdruck im Loop ein. Der Atem-Kreis hat immer den optimalen Sauerstoffgehalt für die entsprechende Tiefe: Bei einem Partialdruck von 1.3 bar haben wir in 40 m Tiefe ein EAN26 im Atem-Kreis, auf 20 m ein EAN43 und auf 6m fast reinen Sauerstoff.

So spielt der Kreisel seinen extremen Vorteil aus, und das vollautomatisch bei einem eCCR oder hCCR, bei einem mCCR/KISS regelt dies der Taucher manuell.

 

 

Natürlich hängt das von vielfältigen Parametern ab und mir ist klar, dass die Sporttauch-Computer viel progressiver rechnen als technische Tauchcomputer.

Um es kurz zu machen : 

Der Vorteil ist gewaltig.

Auf 40 m endet die Nullzeit eines normalen Sporttauchers nach 3 - 5 Minuten. Jeder Längere Aufenthalt auf 40 m bedeutet einen Deko-Tauchgang.

Mit einen CCR haben wir bei einem (üblichen) Sauerstoff-Partialdruck von 1.3 bar ungefähr 10 Minuten Nullzeit. 

Das klingt nicht viel, bedeutet aber ganz grob gesagt eine Verdopplung der Nullzeit. 

Oder anders herum gesprochen : 

Ein Kreisel halbiert die Deko-Zeit.

Wenn bei einem Tauchgang der offene Taucher 20 Minuten Deko vor sich hat, dann hat er mit einem vollgeschlossenen Kreislauftauchgerät (CCR) nur 10 Minuten Deko

Man kann diesen Vorteil jetzt einfach zur Verkürzung der Deko, zu verlängerten Grundzeiten oder einfach zum viel gesünderen und sichereren Tauchen nutzen.

Eigentlich "ja" :

Wir gehen bei jedem technischen Tauchgang aus Sicherheitsgründen immer davon aus, dass jedes Ausrüstungsteil zum ungünstigsten Zeitpunkt ausfallen kann. Auch gehen wir immer von einem kompletten Versagen aus (was bei mir noch niemals vorgekommen ist). Wir machen uns auch immer vor dem Tauchgang Gedanken, was wir in diesem oder jenem Fall machen werden. Daher gibt es unter Wasser keine Überraschungen, sondern wir reagieren auf Ereignisse, wir wir vorher schon bedacht hatten. 

Aus diesen Überlegungen haben wir immer eine Stage dabei, mit der wir ganz normal "offen" den Tauchgang ganz gemütlich beenden können. So sind wir einen ganz sicheren Tauchgang vor uns. 

Der ungünstigste Zeitpunkt ist am Ende der Nullzeit oder am Ende der Bottom-Zeit. Wenn der Taucher zu diesem Zeitpunkt entscheidet, den Tauchgang "offen" zu beenden, wird sich die Deko-Zeit stark verlängern. Am Ende der Nullzeit "im Loop" kann das dann "offen" eine Deko von 10 - 15 Minuten bedeuten. 

Dies und die Folgen abzuschätzen ist für mich nicht möglich. Wenn ich bedenke, dass man über 16 Kompartimente die Gas- Aufsättigung Druck- und Zeitabhängig integrieren muss und das Gleiche mit der Entsättigung, dann fühle ich mich da beim Abschätzen etwas überfordert. Also tauchen wir entweder nach Tabellen (das ist mir zu unflexibel) oder wir benutzen Tauchcomputer. Da auch ein Tauchcomputer ausfallen kann, haben ich einen Ersatzcomputer dabei und bleibe gesund. 

Der Hauptcomputer in einem "Kreisel" berechnet üblicherweise auch die Dekompression. Es ist daher üblich (um nicht zu schreiben "Vorraussetzung"), dass ein auch Kreislauftaucher einen Ersatz-Tauchcomputer dabei hat.

 

Im Prinzip jeder Tauchcomputer, der mit den fixen Sauerstoff-Partialdrücken eines Kreisel rechnen kann. Hier sind die teuren Sporttauch-Computer leider oft überfordert.

Gängige Vertreter an geeigneten Modellen sind von shearwater, Heinrichs-Weikamp und andere Hersteller. 

Wichtig ist, dass der Backup-Computer nach dem gleichen Rechenmodell rechnet, wie der Hauptcomputer. Hier sind der Bühlmann- und VPM-Algorithmus üblich.

 

Noch eine Anmerkung :
Genauso wichtig ist, es, das in einem Team das gleiche Rechenmodell verwendet wird. Was nützt es mir, wenn ich zwar mit einem Buddy zum Tauchen gehe, aber dessen Deko-Stopps unterschiedlich sind. Wir müssen uns an die berechneten Deko-Tiefen und Zeiten halten. Wenn ich -vor allem bei den tieferen Stopps- auf meinen Buddy warte, wird sich meine Deko-Zeit dadurch verlängern. Es stimmt meine Gas-Berechnung nur dann, wenn ich nicht auf meinen Buddy warten muss. Also müssen wir gleiche Rechenmodelle und gleiche Konservatismen tauchen. Dies stimmen wir vor der Tauchgang ab.

Es gibt die Möglichkeit, den Ersatz/Backup-Rechner mit den Sauerstoff-Sensoren zu koppeln, oder man stellt den Partialdruck im Kreisel, den der Taucher taucht, manuell am Ersatz-Tauchcomputer ein.

Man könnte davon ausgehen, dass eine Kopplung nur Vorteile hat. Dies ist jedoch nur auf den "ersten Blick" so. Natürlich erhöht eine Kopplung die Genauigkeit, aber ist diese nötig ?

Es gibt andererseits Nebenwirkungen der Kopplung, die den Tauchgang erheblich verkomplizieren oder die Ausfall-Wahrscheinlichkeit sogar erhöhen:

Punkte, die man zur Entscheidung heranziehen sollte:

  • Ein Fehler im Hauptsystem kann problemlos durch die Kopplung auch auf das Ersatzsystem durchschlagen.
  • Nehmen wir einen komplett gefluteten Kreisel, hier ist die Kopplung keine Hilfe.
  • Oder eine Sensor-Abweichung, das größte Problem bei der Kopplung: Hier muss der Taucher dafür sorgen, dass der Backup-Rechner mit den richtigen Werten des Partialdrucks im Loops weiterrechnet (also die Sensoren ignoriert), selbst wenn die Sensoren falsche oder abweichende Werte anzeigen.Dies ist nicht so einfach und benötigt eine weiter Option am Rechner: jetzt hat man nicht nur 2 Möglichkeiten (OC und im Loop), sondern auch noch externen und internen Partialdruck-Modus. Ich will (und kann) ja auch sehr sicher im Loop bleiben, auch wenn ein Sensor eine Abweichung zeigt. Ein nicht gekoppelter Recher rechnet einfach mit dem Sollwert weiter.Diese zusätzliche Option muss man im Stressfall sicher beherrschen und bedienen.
  • Alleine das Vorhandensein eines Kabels bringt mehr Möglichkeiten für Fehler (Wassereinbruch, Hängen bleiben, Kabelbruch usw)
  • Ein gekoppelter Backup-Rechner ist fest mit dem Kreisel verbunden, also kann er nicht ohne Kreisel benutzt werden.
  • 2 gekoppelte Systeme haben in der Regel keine LED-Anzeigen mehr am Mundstück am Rand des direkten Sichtbereichs. Es entfällt damit die extrem angenehme Möglichkeit, anhand einfacher LED-Signale, den Loop zu überwachen. Anstatt "nur die grüne LED leuchtet : alles funktioniert einwandfrei", muss man immer das ganze Display eines Computers interpretieren.
  • Auch stellt sich die Frage, woher das Backup-System seine Werte bekommt. Wenn es die gleichen 3 Sensoren sind, dann wirkt jeder Sensorfehler direkt auf beide Systeme. Dies ist ein Vorteil des rEvo mit unabhängigen Sensoren am Backup-System.
  • Bei rEvo gibt es noch einen weiteren Aspekt : Die "Expedition" Standardkonfiguration besteht aus dem Hauptsystem und 2 von einander vollkommen unabhängigen rEvodreams als Backup-Anzeigen. Egal, welches System ausfällt, es sind immer noch 2 Systeme vorhanden: Ich kann immer noch weiter tauchen, auch ohne direkte Reparaturmöglichkeit. Ein gekoppeltes System hat immer nur 2 Systeme, also wird ein Defekt eines System immer das Ende des Tauchens bis zu Reparatur bedeuten.

Als weitere Entscheidungshilfe noch 2 sehr bewährte Regeln :
Ich nehme bei einem Tauchgang so wenig wie möglich mit und (nur) so viel wie unbedingt nötig.
Ich halte die Bedienung möglichst einfach.

Die Erfahrung zeigt, dass der Partialdruck im Loop so genau von der Elektronik geregelt wird, dass auch ein nicht gekoppelter Rechner nur eine Abweichung von 1-2 Minuten in der Länge des ganzen Tauchgangs zeigt, ein gekoppelter Recher ist auch nicht viel besser. 

Wie beim technischen Tauchen ist dies eine Philosophie-Frage, die jeder für sich selbst beantworten darf.

 

 

Als "Controller" bezeichnen wir den "Hauptcomputer" eines Kreislauftauchgeräts. In der Regel misst er den Sauerstoff-Partialdruck, steuert das Magnetventil, zeigt Tauchzeit sowie Tauch-Tiefe und berechnet die Dekompression. 

Nur sehr bedingt kann man diesen austauchen, das ist vom Hersteller abhängig.

Teilweise sind die Controller fest verbunden, ohne Steckmöglichkeit. Dies ist vor allem bei den analogen Systemen, aber auch oft bei digitalen Systemen so. Inzwischen ist die veraltete Analogtechnik durch digitale Bus-Systeme abgelöst worden, weil diese leichter zu warten ist und mehr Möglichkeiten bietet.

Hier stellt sich die erste Frage:
Welche Technik ist in einem gebrauchten Gerät verbaut ? Inzwischen haben alle Hersteller neue und modernere Controller verfügbar.

Bei gebrauchten Rebreathern aller Marken muss man aufpassen, welche Version des Controllers eingebaut ist: Es gibt Modelle, für die keine Ersatzteile mehr lieferbar sind:

Es gibt für viele Typen keine passenden OLED-Displays mehr - die werden einfach nicht mehr hergestellt und es sind auch keine Ersatztypen zu haben. Allgemein werden OLED-Display aus verschiedenen Gründen nicht mehr beim Tauchen eingesetzt.

Oder das Teil ist vergossen und kann grundsätzlich nicht repariert werden (dies ist übrigens auch bei manchem verbreiteten Tauchcomputer so).

Sehr oft kann der Controller auch nicht einfach gegen ein anderes Modell ausgetauscht werden, weil inzwischen die Digitaltechnik bei Rebreathers verbreitet ist oder die Geräte sind grundsätzlich nicht kompatibel. Oft gibt es auch die passenden (analogen) Controller nicht mehr als Ersatzteil. In dem Fall ist die Frage, ob eine Umrüstung auf digitale-Bustechnik technisch überhaupt möglich und finanziell sinnvoll ist.

Die Preise für Ersatz-Controller sind bei allen Herstellern wegen der geringen Stückzahlen und der komplexen Technik einheitlich sehr hoch. Oft kann der Controller nicht selbst getauscht werden, weil es feste oder vergossene Verbindungen gibt.

Bei vielen Herstellern ist ein Defekt des Controllers (vor allem bei älteren Geräten) ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Nur bei rEvo ist der Controller meist gesteckt. Selbst eine komplette Umrüstung vom fest verbauter analoger Technik auf Digitaltechnik ist vom Taucher nach einer kurzen Einweisung möglich - der modulare Aufbau zeigt hier eindeutig Vorteile. Die Unterlagen dazu sind im WWW verfügbar. Neben der reinen technischen Machbarkeit sollte sich der Taucher auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellen.